Entlastung von Familien in herausfordernden Momenten – im Gespräch mit der Geschäftsleitung
Der Lindenhof begleitet Menschen im Alter oft überlange Zeit – mit Orientierung, Menschlichkeit und einem offenen Ohr. Geschäftsführer Giuseppe Cassata spricht darüber, was Familien in kritischen Situationen wirklich brauchen.
Herr Cassata, was ist das Wichtigste, wenn Menschen sich an Sie wenden? Oft kommen sie mit Unsicherheit, manchmal auch mit Angst. Viele stehen unter Druck, rasch «das Richtige» entscheiden zu müssen. Dann braucht es zuerst jemanden, der zuhört und ernst nimmt, was gerade belastet. Unser Ziel ist es, Halt zu geben und gemeinsam einen Weg zu finden, Schrittfür Schritt und im Tempo der Betroffenen. Nicht jede Frage muss sofort beantwortet werden. Viele Angehörige haben das Gefühl, ständig Entscheidungen treffen zu müssen.
Wie nehmen Sie diesen Druck auf – und was bedeutet Ihre Begleitung konkret für Familien? Wir erleben oft, dass Angehörige sich für alles verantwortlich fühlen und dabei ihre eigenen Grenzen überschreiten. Wichtig ist zu sagen: Es ist in Ordnung, innezuhalten. Wir helfen, Prioritäten zu setzen, Optionen aufzuzeigen und Entscheidungen aufzuteilen. Oft geht es zuerst darum, den Alltag zu stabilisieren. Wir bringen Ordnung in komplexe Situationen, erklären Möglichkeiten verständlich und übernehmen auf Wunschdie Koordination – von finanziellen Fragen bis zur Organisation von Spitex oder Mahlzeitendienst. Allein das Wissen, dass jemand mitdenkt und erreichbar ist, entlastet spürbar.
Übergänge, etwa nach einem Spitalaufenthalt oder bei einem Heimeintritt, sind oft emotional schwierig. Was begegnet Ihnen dabei? Solche Übergänge machen deutlich, dass sich vieles verändert. Unsicherheit, Traurigkeit oder Schuldgefühle sind normal. Wichtig ist, diese ernst zunehmen.Wir begleitendiese Phasen bewusst und geben Orientierung, damit Betroffene und Angehörige wieder Sicherheit und Vertrauen entwickeln können.
Wann merken Sie, dass dieser Ansatz wirkt? Wenn Menschen sagen: «Jetzt wissen wir, was zu tun ist – und dass für unsere Oma das Beste getanwird.» Genau dafür sind wir da: damit niemand diesen Weg allein gehen muss.
Interview: Ilenia Carlucci
